Anmeldung zum Newsletter

© muetter.ch 

Impressum

  • Facebook Social Icon
meinspielzeug.ch

Wir sind echte Fans von: 

Das erste Mal

gerade hatte ich angefangen, mich an den gedanken zu gewöhnen, in meinem geliebten florida alt zu werden, als meine tochter mich fragte "was hältst du davon, grossmutter zu werden? "
grossmutter - ICH? ich bitte sie! gerade waren meine kinder doch noch klein und ich hatte mich noch nicht ganz vom dem stress erholt, den das mit sich brachte. aber genau genommen war die frage auch nur rhetorisch: "das baby" sollte im mai kommen.

ein reizvoller gedanke war es einerseits ja (war ich nicht die, die immer gesagt hatte, dass sie es nicht abwarten könne,grossmutter zu werden?) - aber andererseits beförderte mich das dann auch von der generation mütter in die der grossmütter. und während ich mich in der einen auskannte, wusste ich nicht, was in der anderen auf mich zu kam. obwohl: schlimmer konnte es ja wohl nicht kommen.

und andererseits: anna war schon seit ein paar jahren verheiratet, ihren mann hatte sie schon als teenager kennengelernt und die anfänglichen bedenken, ob diese beziehung halten könnte (sie wissen schon: zu jung, noch keine erfahrungen etc.) waren geschwunden - vor allen dingen, nachdem die beiden mit mir zusammen ein halbes jahr in florida wohnten und ich sah, wie gut alles zwischen ihnen lief.

ein baby also - mein gott, wie spannend. oder doch nicht? im ersten überschwang sah ich nur kinderwagen, baby-kleider, kindermöbel und ich überlegte mir, was ich wohl alles mit diesem ersten enkelkind anstellen würde. ich würde es lieben bis zur bewusstlosigkeit, verteidigen gegen das böse leben - und mit ihm in den kinderzoo gehen.

und so fand ich mich plötzlich nicht mehr in kleider-, schuh- und taschenläden (zugegeben, das ist eine meiner schwachen stellen), sondern in baby-abteilungen. bis mich eine verkäuferin ansprach, die wohl mein verklärtes gesicht beobachtet hatte "was ist es denn?" fragte sie, "ähm, es ist noch gar nicht da - ich weiss es nicht". sie liess nicht locker: "aber sie hoffen wohl auf ein mädchen?" verblüfft fragte ich "wieso?" und sie antwortete " weil sie die ganze zeit nur mädchen-sachen angeschaut haben."

habe ich das? ein mädchen? ich eine feministin? also höööchstens unbewusst, weil anna so ein viel einfacheres baby war als ihr bruder erik. oder aber vielleicht auch, weil man mädchen so schön anziehen konnte. anna hatte sich da standhaft geweigert: sobald sie einen eigenen willen äussern konnte, wollte sie nur noch hosen anziehen (und das ist im übrigen bis heute so geblieben...). aber eigentlich war es mir doch wirklich egal. oder?

das baby sollte jedenfalls im mai zur welt kommen, aber anfang märz überschlugen sich die ereignisse. meine freundin war ganz plötzlich gestorben, und anna, die praktisch mit brigitta aufgewachsen war, war ebenso traurig wie ich. und am tag von brigitta's beerdigung starb (ebenso plötzlich) einer unserer beiden geliebten hunde - und das war dann wohl zu viel für anna.

das baby meldete sich und weil ihr arzt in aarau wohnte, packte philip sie ins auto und fuhr sie in die dortige klinik, während ich daheim die minuten zählte. bei der geburt meiner kinder war ich weniger aufgeregt - und es war wohl auch wirklich nicht unsere woche: auf dem weg in die klinik fuhr ein autofahrer philip von hinten ins auto. der schreck war gross (wohl auch beim anderen fahrer, als er anna sah...), aber gott sei dank dank blieb es beim blechschaden - und in der klinik stellt man fest, dass das baby sich zwar gestresst fühlte, aber durchaus noch nicht das licht der welt erblicken wollte. so ganz am rande schwante mir da zum ersten mal, dass wir vielleicht ein baby " mit einem eigenen willen " bekommen könnten...

so fuhren sie also wieder nach hause - um dann mitte mai erneut "einzurücken". diesmal war es kein falscher alarm und als philip mich dann (endlich!) anrief und mir sagte "er ist da!!!", holte ich sofort die"andere" grossmutter ab und zusammen fuhren wir ins spital, um den neu-ankömmling zu besichtigen. wir waren beide unheimlich stolz, so, als ob dieses neue enkelkind ganz allein unser verdienst sei, - und genau mit diesen gedanken betraten wir das zimmer und sahen ihn zum ersten mal: da war er, JOSHUA! und er war definitiv kein mädchen!

ich weiss nicht mehr, was uns genau durch den kopf ging, ich erinnere mich noch, dass ein paar rührungs-tränen flossen (aber ich hatte immer schon sehr dicht am wasser gebaut) - aber eins weiss ich heute noch: das versprechen,dass ich mir (und ihm) gab, nämlich dass ich alles dazu tun würde, das man so als grossmutter tun kann, damit dieses kind geliebt und glücklich aufwachsen würde. aber da wusste ich auch noch nicht, was so alles auf mich zukommen sollte...

 

Ihre

 

Sybilla Gladbach