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Das zweite Mal

da hatten wir ihn also, unseren joshua. nach den ersten drei monaten erholte sich unser durch sein gebrüll stark lädiertes nervenkostüm wieder und voller staunen stellte ich fest, dass jeder tag etwas neues brachte.

 

so genau hatte ich das gar nicht mehr in erinnerung und irgendwie konnte ich alle seine fortschritte viel bewusster wahrnehmen als damals bei meinen kindern.

 

und dahin ging mein traum, wenigstens vorläufig, in florida älter zu werden. plötzlich wusste ich, dass ich zumindest von joshua's erstem jahr nichts missen wollte.

 

und natürlich merkte ich auch, dass wir "damals" eine menge "anders" gemacht haben (ob besser oder nicht, wage ich nicht zu sagen - es wird sich wohl auch die waage halten...) und es fiel mir manchmal schwer, den mund zu halten. als anna mir zum beispiel sagte "du darfst kein parfum tragen, wenn du das baby hältst" war ich erst einmal perplex, aber nun ja, ein grosses ansinnen war das ja nicht.

 

logisch war ich der meinung, dass all das, was wir mit unseren kindern gemacht haben, ganz gut war - sie sind auf jeden fall gross geworden. andererseits: gerade allergien waren ja jetzt im vormarsch - konnte es nicht sein, dass wir da doch etwas zu wenig beachtet hatten?

 

bei uns herrschte ja noch die theorie "wenn das kind mal schreit, ist das gut für die lungen" und für mütter mit starken nerven war das natürlich auch eine einfache lösung: einfach mal schreien lassen. entweder haben die jungen frauen heute schwächere nerven oder aber es wirklich was dran, an der theorie, das baby aufzunehmen, sobald es schreit (ich glaube aber, darüber herrschen auch heute noch, oder schon wieder, meinungs-verschiedenheiten). joshua war auf jeden fall ein baby, das sofort aufgenommen wurde und damit diktierte er praktisch den tagesablauf. er war auch eines von den babies, die im elternbett schlafen durften - und da muss ich rückblickend sagen: ich war noch im nachhinein froh, dass ich das nicht gemacht habe. zwar musste ich nachts öfter aufstehen, aber dafür konnte ich später auch die türe zu machen und hatte auch einmal ein paar minuten für mich. mein mann, er war ja noch kein "mann der neuen generation" hätte sich auch herzlich bedankt. und ich weiss nicht, wie ich mein tagespensum ohne das geschafft hätte - und ich glaube bis heute noch nicht, dass meinen kindern das geschadet hat.

 

aber natürlich war das dann später auch für mich anders: wenn ein enkelkind dann bei mir schlafen durfte (und das wollte es ja dann gewohnheitsmässig auch in meinem bett), dann hat mir das schon ganz gut gefallen.

 

aber da kommt natürlich die aussage aller grossmütter: man muss sie ja auch nicht immer haben, man kann sie wieder abgeben...

 

jeder noch so kleiner fortschritt, den joshua machte, wurde mit viel tamtam gewürdigt - das schönste, klügste und tollste aller enkelkinder. und als er dann auch noch laufen und sprechen lernte (als ob das nicht zu erwarten gewesen wäre...) war er das absolute ass. vor allen dingen, als er dann sehr schnell lernte "nein" zu sagen und seinen willen klar zu definieren. es gab zum beispiel nur wenige sachen, die er essen wollte - was macht man in so einem fall? zwangsernähren ist ja irgendwie auch nicht gut.

 

als er vier monate alt war, schleppten wir ihn das erste mal mit nach florida. auf dem ganzen flug hat er sich vorbildlich benommen (wir waren extrem erstaunt) und die zeit dort mit ihm war sehr schön. er genoss das baden im warmen pool und wir hatten so richtig schön zeit für ihn. und er fand es irrsinnig, dass mami, grossmami und zeitweilig auch der papi den ganzen tag um ihn rumtanzten. ich denke, er war ein glückliches baby.

 

als er sprechen lernte, drohte ich "das erste kind, das mich "oma" nennt, kriegt eins hinter die löffel" und joshua löste das problem grandios auf seine weise. "das ist deine oma", sagte seine mutter. "nanu" sagte joshua. vielleicht sagte er auch  "nanu?"  oder gar "nanu!" - aber jedenfalls blieb es bei dem namen.

bis heute bin ich seine "nanu" - und um es ganz einfach zu machen, war die andere grossmutter dann die "nani". er hatte (und später auch seine brüder) auch das grosse glück, seine urgrossmutter noch kennen zu lernen.

 

er hörte aber möglicherweise auf, ganz so glücklich zu sein, als dann, er war noch nicht einmal zweieinhalb, sein bruder patrik geboren wurde. am anfang war er sehr eifersüchtig und ich hätte mich nicht getraut, die beiden miteinander allein zu lassen. und das, obwohl anna sich alle mühe gab, ihn einzubeziehen. zu patrik's geburt hatte er auch eine baby-puppe bekommen, die er betüteln konnte, ganz wie mami das mit dem kleinen bruder machte. er konnte aber nicht verstehen, dass man die puppe zwar in die ecke legen konnte, wenn man genug hatte - den kleinen bruder hingegen nicht.

 

patrik war von anfang an ein ganz anderes baby - er war viel ruhiger als joshua und die ewige schreierei blieb uns erfreulicherweise erspart.

 

anna hielt sich auch bei ihm streng an ihre gelernten methoden in sachen kinder aufziehen - und als patrik fünf monate alt war, „musste“ auch er mit nach florida, respektive natürlich kamen beide mit. seit ein paar wochen schrie patrik sehr viel - aber eigentlich fiel mir das erst richtig auf, als wir alle zusammen waren. joshua wurde auch quengelig, weil sich alles nur noch um seinen bruder drehte und unsere nerven fingen wieder an, zu zittern. philip war noch nicht da, er stiess erst später zu uns.

 

"er hat noch hunger", sagte ich zu anna - und wusste gar nicht, was ich damit los löste. anna fühlte sich in ihrer mutterehre gekränkt. "er bekommt genau alles, was er braucht - ich stille ihn schliesslich". "ja, - aber vielleicht bekommt er ja nicht genug, vielleicht musst du zufüttern". das war in ihrem lehrbuch offenbar so nicht vorgesehen und genervt von all dem geschrei rief sie philip an "ich will nach hause, meine mutter redet mir drein, ich kann das nicht mehr" heulte sie - nicht ahnend, dass ich am anderen telefon (ich weiss, das war unfein, aber der zweck heiligt die mittel) zuhörte. also rief ich nachher auch philip an und sagte ihm "ich habe zugehört, sorry - aber ich bin lediglich der meinung, dass patrik schlicht und einfach hunger hat". es gelang philip dann, anna zu beruhigen und nachdem sie sich das ganze zwei tage lang (mit brüllendem baby) überlegt hatte, fragte sie so nebenbei "was hältst du davon, wenn wir ihm mal so ein gläsli mit babynahrung geben...?"

 

und siehe da: ein wunder geschah. unser schrei-baby wurde von einem auf den anderen tag ein kleiner engel und wir konnten unsere zeit mit ihm und joshua total geniessen. als philip dann schliesslich kam, beschlossen er und anna, dass sie mit joshua drei tage ins disney-world fahren wollten und liessen mich mit patrik allein. wir zwei haben diese zeit total genossen - und die anderen drei waren auch wieder im lot als sie zurück kamen.

 

patrik ist im übrigen bis heute ein guter esser geblieben und anna muss bei ihm immer aufpassen, dass er seine grenzen nicht überschreitet. gott sei dank tut sie das auch und erspart ihm damit sicher spätere probleme.

 

er ist unser "lässiger" typ mit langen blonden locken und einer genauen vorstellung, was er anziehen will, und das muss "läss" sein, sonst kommt es gar nicht in frage. welche farben ihm denn gefallen, habe ich ihn einmal gefragt. "oh, etwas fröhliches, so wie grün oder braun" hat er mir geantwortet - aber ich hatte bisher immer das grosse glück, mit ihm passende kleider zu finden und so ist er nun der meinung (sie können sich nicht vorstellen, wie gut mir das tut), ich alleine verstünde seinen geschmack...

 

joshua ist da eher konservativ und nicht ganz so kompliziert. beide haben heute ein gemeinsames

hobby und das heisst "bruder ärgern". natürlich ist joshua patrik überlegen, er ist ja auch zweieinhalb jahre älter und er nutzt die schwachstellen seines bruders gnadenlos aus. ich hatte immer das gefühl, wann immer ich sie besuchte, nur zu hören "mami, dä joshua hätt..." - und ich fürchte, nach den neuesten erkenntnissen, das wird wohl auch noch einige zeit so bleiben...

 

ich kann mich nicht mehr erinnern, ob das bei meinen beiden auch so war - aber das mag auch daran gelegen haben, dass sie ja schliesslich bub und mädchen waren. ich weiss nur noch, dass erik seine schwester anna immer mitgeschleppt hat - und gott sei dank, weiss ich auch nicht, was damals alles geschah. in unserer heutigen umwelt würde ich mich das gar nicht mehr trauen, aber damals konnte man ja noch die türen offen lassen und die immer zahlreicher auftretenden "kinderschrecks" gab es vielleicht auch, aber wohl doch eher seltener. vielleicht waren wir auch nur nicht ganz so gut informiert wie wir heute durch all die medien sind.

 

jedenfalls sah ich florida immer in weitere fernen rücken - ich flog zwar noch dorthin, aber für immer kürzere zeiten, denn, sie werden es raten: auch patrik's erstes jahr wollte ich miterleben...