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Der andere Mann

Gestern war wieder einmal ein kinderloser Abend. Gespräche, die nicht unterbrochen worden sind,  eine Mahlzeit, die man für niemanden in Stückchen schneiden musste. Themen, die weit über Lego und Wauwau hinaus gingen – einfach herrlich!
 

Fasziniert lauschte ich diesem Mann, der über Gott und die Welt plauderte. Seine Art zu erzählen war packend, sein Wissen weitreichend und sein Charme.....ich kann Ihnen sagen, einfach wow!  Unsere Blicke trafen sich immer wieder und mir wurde abwechslungsweise warm und kalt, was aber vielleicht auch an dem Kachelofen neben mir und der Türe, die immer mal wieder aufgerissen wurde, um „frische Luft“ einzulassen, lag. Seine sanften, zufälligen Berührungen brachten mich durcheinander und ich war hin und weg, als er mir beim Gehen sogar in den Mantel half und die Türe aufhielt ... gerade überlegte ich mir, wie ich wohl an die Telefonnummer dieses mysteriösen, gutaussehenden Kerls kommen könnte – als mir plötzlich einfiel, dass ich ja mit genau diesem gekommen war!

 

Nein, nein, Sie müssen sich nun nicht um meinen Geisteszustand sorgen.... Es ist bloss so, dass ich eigentlich eher das andere „Modell“ meines Mannes kenne. Der Mann, der mir im Alltag begegnet, ist morgens brummlig, weil müde. Und dann ist er weg, zur Arbeit. Kommt er dann abends zurück, ist er oftmals erschöpft und mag nicht mehr den Clown für mich und seine Kinder spielen. Er wird überrannt mit unseren Tagesthemen und genötigt, Stellung zu beziehen, zu helfen, zu unterstützen, zu spielen, zu erziehen.... kein Zuckerschlecken also. So nebenbei ist er ja auch noch „Mensch“ und als solcher lebt er seine verschiedenen Marotten voll aus. So frage ich mich mehrfach pro Woche, wie es wohl möglich ist, dass jemand, wenn er genau vor etwas steht, dieses „etwas“ einfach nicht finden kann? Weshalb man(n) wohl seine Kleider genau dort, wo man sie auszieht, auch liegen lässt? Man(n) nicht hört, wenn das Baby nachts weint. Man(n) ignoriert, dass seine Frau bereits das Baby, die Wäschezaine und zwei Einkaufstüten die Treppe herauf schleppt und bloss fragt, wo denn das Bier sei?
Tja, das Alltagsmodell meines Göttergatten sieht eben doch ein wenig anders aus als die Sonntagsversion. Und so kann es eben gut passieren, dass ich mich in den anderen Mann vergucke und mir wünsche, dass dieser doch meiner sein soll.

 

So geschehen also auch gestern Abend. Wenn ich mir das jetzt aber ganz genau überlege, dann möchte ich die Version von gestern vielleicht doch lieber nicht jeden Tag treffen. Denn das würde ja bedeuten, dass auch ich mich nicht im Alltags-Trott bewegen dürfte. Ich müsste mich chic anziehen, gewichtigen Themen Paroli bieten können, verführerisch wirken und neben Esprit auch noch Charme versprühen, puh. Denn wenn ich das nicht täte, dann würde sich mein Mann schnell nach etwas umschauen: nämlich der anderen Frau!