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Die Logik der Schuldzuweisung

Etwas sehr Individuelles und äusserst Interpretationsfreudiges ist die Logik der Schuldzuweisung. Meine Kinder sind darin sehr kreativ. Die Tatsache, dass ich mich im selben Haushalt wie das genannte, verschwundene Schulheft aufgehalten habe, macht mich - rein theoretisch  - für dessen Verschwinden zur potentiellen Verantwortlichen. Mütter können also, auch wenn sie nichts machen, richtig viel falsch machen.

Und habe ich mich erfolgreich gegen eine Schuldzuweisung gewehrt, sollte ich mich nicht zu früh freuen. Denn dann ist es in den Augen meiner Kinder meine mütterliche Pflicht, wenigstens das verlorene Ding wieder zu finden. Und zwar plötzlich!

 

Ein weiterer Stolperstein

Passen Sie bitte auf beim Überbringen von schlechten Neuigkeiten. Ihre Kinder meinen nämlich, dass der Überbringer der Neuigkeit auch daran schuld ist!

Neulich rief die Freundin meiner Tochter Bea an. Leider musste sie die mit Bea geplante Übernachtung bei ihr zu Hause absagen. Klar, dafür gab es gute Gründe, schliesslich hatte sich bei ihr überraschend Besuch angekündigt. Dann halt ein anderes mal, kein Problem (dachte ich).

Das Überbringen dieser Nachricht an Bea verlief dann weitaus dramatischer. Erst liess sie sich das Telefonat akribisch genau wiedergeben, mit allen Details, Wort für Wort. Ihre Enttäuschung war gross. Verständlich. Nach der Enttäuschung kam der Frust. Nach dem Frust die Wut. Nach der Wut die Suche nach dem/der Verantwortlichen für dieses Desaster. Tja, und da ich zufällig in der Nähe stand.....

Die Logik, dass an der Absage nur ich schuld sein konnte bestand darin, dass ich A. den Anruf entgegen genommen und B. die Nachricht weitergeleitet hatte. Ausserdem sei das heutige Mittagessen auch „voll schrecklich“ gewesen und grundsätzlich wäre ich nie daran interessiert, dass sie, Bea, auch mal ein schönes Wochenende erleben könne. Auf meinen sarkastischen Einwand, dass ich ganz klar viel lieber von ihr zur Schnecke gemacht werde, als sie glücklich bei der Freundin zu wissen, überhörte sie beleidigt. Ich war mal wieder als voll gemeine Mutter entlarvt, die nur darauf wartete, dass Leben ihrer Kinder zu vermiesen.

 

Starke Mütter, selbstbewusste Töchter

Um das Leben meiner Töchter nicht ganz zu zerstören bleibe ich stark, höre zu und versuche zu verstehen. Aber ich stecke nicht jeden haltlosen Vorwurf ein, den man mir in der ersten Verzweiflung zuwirft. Denn ich weiss, nur eine starke Mütter kann ihre Töchter auf dem Weg zur selbstbewussten Frauen begleiten.

Und zu guter Letzt bin und bleibe ich Optimistin. Denn ich habe richtig Glück im Hier und Jetzt zu Leben. Früher wurden nämlich Überbringer schlechter Nachrichten kurzerhand geköpft.

 

Herzlich

Ihre Stella van Bergen