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Est nomen omen

kann mir mal jemand sagen, warum im moment für die namenssuche für den kleinen liebling gilt: je ausgefallener desto besser? und das dann möglichst noch im doppelklang?

 

zugegeben, ich habe auch mehrere namen, drei, um genau zu sein, aber weder meiner mutter noch sonst jemandem in der verwandtschaft wäre jemals in den sinn gekommen  "sybilla hildegard annamaria" zu rufen. und wenn er noch gerufen hätte, hätte ich mich nicht betroffen gefühlt. damals bekam man die namen der paten-tanten angehängt und da hat niemand lange drüber nachgedacht.  war halt so.

 

total "in" waren zu meiner zeit die namen heidi, brigitte, gisela, monika, doris, renate, ursula susanne, petra usw. – die jungs hiessen dieter, wolfgang, jürgen, peter, klaus, bernd, werner.

 

im vergleich zu den namen unserer grosseltern waren das ketzerisch moderne namen, denn diese hiessen, anna, martha, charlotte, luise, paula, emilie, minna, georgine (alles tanten von mir) und die Onkels hiessen heinrich, august, friedrich, franz , karl, ludwig,  paul, otto, wilhelm josef, alfred etc.

 

meine grosseltern mütterlicherseits hiessen anna und richard, das anna findet sich dann auch als annamaria in meinem namen wieder, denn meine grossmutter sollte auch gleichzeitig meine patentante sein. auch der name meiner mutter, hildegard, wurde dort verewigt. und glauben sie ja nicht, der name sybilla hätte mir alleine gehört. noch nicht einmal der name sybilla gladbach – denn genauso hiess meine grossmutter väterlicherseits (der grossvater hiess kaspar). als ich so knapp lesen konnte und das "leidbild" meiner grossmutter in den händen hielt, mit foto und vollem namen ("meinem" namen), war ich total geschockt – und noch heute geht es mir eigentlich so, wenn ich gelegentlich einen besuch auf dem friedhof mache und meinen namen in stein gemeisselt finde.

 

meine kinder bekamen im übrigen auch einen doppelten namen, aber niemals in der absicht, diesen auch rufend zu verwenden. es war so die zeit, in der ein vorname und danach ein buchstabe mit einem punkt dahinter schick auf einer visitenkarte aussehen würde, denn der zukünftige herr wissenschaftler oder die zukünftige frau generaldirektorin diese weitergaben.

 

damals musste man fast einen zweiten buchstaben dazu setzen, denn die kinder hiessen alle gleich. die mädchen claudia, silvia, prisca, christina, kathrin, barbara (hier in der schweiz kamen dann noch ein paar französische namen dazu wie yvonne, michelle etc.) – die jungs patrick, markus oder wahlweise marco, manuel, michael, thomas, stefan, christian, christoph (und auch hier wieder: in der schweiz noch traditionelle namen wie urs, beat, roman – oder auch französisch angehauchtes wie pierre, alain, jaques, roland, michel, charles)

 

aber ach, das wollte ich ja alles gar nicht schreiben. neulich musste ich an einem ort warten und plötzlich hiess es neben mir "kunigunde marie, komm her". KUNIGUNDE? wer um himmels willen tut einem zierlichen kleinen mädchen mit dünnen blonden zöpfchen so etwas an? haben diese eltern vergessen, dass die kleine nicht nur jetzt so heisst, sondern ihr ganzes leben lang? was erstens in der schule schon einmal ganz schön grund für lachanfälle sein wird (kunigunde kann man schliesslich auch mit "h" schreiben...) und später zu verstörten blicken führen wird, verbunden mit der überlegung, wie wohl die eltern ausgesehen – und was sie sich gedacht haben. bis dann wird das arme kind unter der last des gebeugten rückens schon eine leichte osteoporose entwickelt haben, allein aus dem wunsch heraus, unsichtbar zu sein.

 

klar, auch heute gibt es wieder "mode-namen" und erfreulicherweise fallen diese sogar wieder um genenerationen zurück. kleine mädchen heissen heute wieder anna, marie, julie,

lena oder leni, sophie, lucy – wenn sie glück haben. wenn sie pech haben, heissen sie

anna-lena-sophieoder elisabeth-grace  oder, eben, kunigunde-marie, oder valerie-chantal und mir scheint, je länger die namen der mädchen werden, desto kürzer werden die der buben. max. tim. finn. sam. tom. marc. nick.

 

und während ich notiere, dass die kinder (zumindest die weiblichen, - halt: betont das irgendwie die weiblichkeit?) heute wohl alle doppel-namen haben "müssen", um "dabei" zu sein, frage ich mich, was die eltern wohl von ihren kindern erwarten. so pompös, wie die namen oft sind, können die kinder gar nicht werden.

 

gespannt wartete ich auf die namen meiner enkelkinder – hoffend, sie mögen nicht allzu ausgefallen sein, denn die armen kinder müssen sie ja ihr gnzes leben lang tragen und vielleicht landen sie ja auch einmal im ausland, und auch dort sollt ihr name nicht zielscheibe irgendeines spottes werden.

 

ich habe glück gehabt: die kinder haben alle "klassische" namen bekommen. solche, die sie nun (nach den ersten fremdsprachlichen schuljahren) auch schon selbst in verschiedenen sprachen aussprechen können und die uns auch noch gar nicht "verleidet" sind und es vermutlich auch nicht werden.

 

ich wünsche ihnen mit ihren enkelkindern ebenso viel glück und dass es ihnen nicht so geht wie den grosseltern, die immer wieder fragen müssen "wie heisst er/sie noch gleich" – und die dann nicht wissen, wie man das auf dem geburtstagskärtli schreiben soll...