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Winterzeit ist  - auch -  Ferienzeit! Währens sich Singles und junge Pärchen jetzt eine warme, sonnige Destination suchen, wissen Eltern genau, was sie zu tun haben: Skiferien sind für Schweizer Familien ein Muss!
Schliesslich ist ja klar, dass „gute“ Schweizer gerne Käse und Schokolade essen und sich auf Skiern so wohl fühlen wie zu Fuss. Allerdings muss ich gestehen, dass ich da vielleicht nicht eine ganz so „gute“ Schweizerin bin, seufz. So habe ich doch tatsächlich erst mit 35 Jahren das Skifahren erlernt – und das auch nur deshalb, weil ich meinen Kindern ein gutes Vorbild sein wollte und eingesehen habe, dass man sich gegen gewisse Rituale einfach nicht wehren darf und kann.

Anfangs dachte ich ja noch, dass ich fit genug bin, um mich mit dem moderneren Snowboarden zu beschäftigen. Also habe ich kurzerhand meine damals noch zwei Söhne gepackt und mich auf gemacht in ein Top-Kinderhotel mit Betreuung und allem drum und dran. Der erste Skitag startete schon sagenhaft: der Kleine sollte in die hoteleigene Krippe, die um 9 Uhr öffnete. Dummerweise ging aber der Skikurs für den Grösseren auch um 9 Uhr los, an einem ganz anderen Ort. Also habe ich die Betreuer im Hotel überredet und durfte den Kleinen schon früher abliefern, um dann mit dem Grösseren zur Skischule zu rasen. Kaum hatte ich diesen dort abgeliefert,  musste ich auch weiter, um rechtzeitig zu meinem Snowboardkurs zu kommen, der nochmals woanders stattfand. Dort kraxelte ich dann verzweifelt den Berg rauf, rutschte runter, fiel hin und sass eigentlich recht viel im Schnee. Schon nach 30 Minuten schmerzten mich alle Glieder. … Wie hilfreich war es da doch, dass mein Telefon klingelte und man mir mitteilte, dass der Kleine partout nicht gehütet werden wollte und ich zurück kommen müsse, um ihn zu holen. Das war’s dann mit dem Snowboarden für mich.  Kaum sass ich im Bus unterwegs Richtung Hotel, klingelte das Telefon erneut und man informierte mich darüber, dass mein grösserer Sohn sich weigerte, ohne Skistöcke zu fahren und nun weine und zu Mami wolle. Alles klar, ich schnappte mein Söhnchen in der Hotelkrippe, dürste mit ihm zurück zur Skischule, wo wir Joshua aufluden und dann alle drei erschöpft vom Rennen, Heulen  und Fahren zurück ins Hotel fuhren. Tag 1 war gelaufen – und ich fühlte mich bereits so, als hätte ich 3 Wochen Intensivferien hinter mir. Am nächsten Morgen dann ging das Geschrei schon los, bevor wir irgendetwas in Angriff nehmen konnten – und damit war dann auch mein Entschluss schnell gefasst und wir fuhren wieder nach Hause.

Dennoch, die Pflicht als braver Schweizer zu gelten, sass uns im Nacken. So nahmen wir im nächsten Jahr wieder einen Anlauf, dieses Mal sicherheitshalber in Begleitung meines Göttergatten. Auch dieser Versuch führte uns in ein Kinderhotel, dieses Mal in Österreich. Sohn Nr. 1 durfte hier mit Stöcken fahren lernen – und ist mittlerweile ein sehr guter Skifahrer geworden. Sohn Nr. 2 fand hier die Hotelkrippe toll, weil da jede Menge anderer Kinder waren und ein tolles Rahmenprogramm lief. Ehemann war zufrieden, weil ja eigentlich alles ganz easy lief und er sich nur wunderte, weshalb ich beim letzten Mal solchen Stress hatte. Und ich? Tja, ich hatte noch immer den schwarzen Peter.

Wobei der Peter eigentlich ja Tobias hiess und durchaus nicht schwarz war, sondern vielmehr ein junger, fescher  österreichischer Skilehrer. Tobias aber kannte keine Gnade und fand es total witzig, eine im Alter eher fortgeschrittene Anfängerin zu unterrichten. Gnadenlos liess er mich Hänge runterrutschen, die ich im Sommer noch nicht einmal zu Fuss in Angriff genommen hatte. Mit einem Luftballon zwischen den Knien machte ich mich zum Gespött aller Skifahrer – wobei ich bezweifle, dass die alles wirklich auch mit dem Ballon den Hang runter gekommen wären….  Wie auch immer, ich überstand den ersten Tag – und mir graute vor dem nächsten!
Doch irgendwer war mit gnädig und Tobias verunfallte bei seiner abendlichen Ski-Show (ich weiss, das tönt nun nicht nett – aber ich war wirklich froh darüber…).
Am nächsten Morgen nahm mich Christian in Empfang – ein etwas reiferer Skilehrer, der allerdings an seinem Charme nichts eingebüsst hatte. Mit ihm verbrachte ich nun die nächsten Tage, ganz ohne Luftballons. Und wissen Sie was? Am letzten Tag unserer Skiferien fuhr ich tatsächlich zum ersten Mal durch Tiefschnee – und empfand das als herrlich!
Während meine Familie sich heute noch schlapp lacht über Mami mit dem Luftballon (ja, mein Mann fand es toll, mich in dieser Pose zu fotografieren…), habe ich wenigstens die Gewissheit, alles dafür getan zu haben, dass wir nun auch „brave“ Schweizer sind. Ich fahre nun Ski, wenn auch leidlich und mit  mässiger Begeisterung (warum muss es dabei auch so kalt sein?). Meine grossen Söhne fahren zwischenzeitlich Ski und Snowboard – und der Kleinste soll in diesem Jahr auch mit seinen ersten Versuchen starten. 
Sie sehen, wir geben alles fürs Vaterland! Und die Moral der Geschichte? Lassen Sie sich nicht entmutigen und probieren Sie ruhig immer mal etwas Neues!

Ihre skifahrende

Anna Schreiber

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