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Fortsetzung

wie gesagt - es war eine andere zeit, damals. obwohl wir unsere kinder sehr wichtig nahmen, drehte sich doch nicht alles um sie. ich glaube, da liegt der unterschied zu heute: wenn ich all die artikel lese und die tv-beiträge schaue und höre, was die jungen mütter so untereinander ausmachen, dann lebten wir wohl wirklich noch in der steinzeit. ist es nicht erstaunlich, dass unsere kinder trotzdem gross geworden sind? und in den meisten fällen auch ganz brauchbare menschen? dass wir ihnen ja nun unsere enkelkinder verdanken, sei nur am rande festgehalten - und dass wir vertrauen in sie setzen, dass sie diese auch zu rechtschaffenen menschen erziehen werden, auch. aber sicher haben sie es schwerer heute, mit dem ganzen druck, der auf ihnen lastet und den ständigen bemühungen, nichts falsch zu machen und ihren kindern nur das beste mit auf den weg zu geben...

 

als erik etwa zwei jahre alt war, fand ich es plötzlich schade, dass er so ganz alleine ohne geschwister aufwachsen sollte - und ich erinnerte mich daran, wie sehr ich mir selbst einen kleinen bruder oder eine kleine schwester gewünscht hatte. ich war schon nicht mehr ganz so klein, als ich immer noch zucker für den klapperstorch aufs fensterbrett legte und als mir meine mutter sagte, dass man für ein baby auch einen vater brauchte, konnte ich das gar nicht glauben. es gab schliesslich in deutschland in der nachkriegszeit immer noch babys, obwohl die entsprechenden väter nicht aus dem krieg heimgekommen waren und gerade hatte ein mädchen in meiner klasse eine kleine schwester bekommen, und sie wusste, dass ihr vater nie wiederkommen würde. zum grossen entsetzen meiner mutter (bedenken sie: es war die zweite hälfte der vierziger jahre - man durfte in dieser zeit in deutschland wohl verwitwet sein, das war ja schon fast normal nach dem krieg, aber nicht geschieden - und bei gott durfte man kein kind ohne den dazugehörigen vater haben!!!) gab ich dann die kleine britta, die ich manchmal spazieren fahren durfte, als meine kleine schwester aus - und konnte gar nichts böses dabei finden.

 

nun, so etwas wollte ich erik ersparen - und obwohl man schwangerschaften damals noch nicht so manipulieren konnte, wie heute, wurde mein wunsch prompt erfüllt: ich war wieder schwanger. das neue baby sollte im august zur welt kommen, dann wäre erik gerade drei jahre alt und der unterschied schien mir ideal. und eigentlich war ich mir auch ganz sicher, dass dieses neue baby ein mädchen sein würde - aber dann fiel mir doch ein, dass mir eine zigeunerin einmal meine zukunft vorausgesagt hatte. und alles, was sie gesagt hatte, war zu meinem grossen erstaunen auch eingetroffen. und sie hatte eben auch gesagt, ich würde zwei söhne bekommen.

 

nach einer beschwerlichen schwangerschaft (die mit erik war traumhaft - aber dafür war er kein ebensolches baby, wenigstens nicht am anfang) kam dann meine anna mitte september zur welt. ich wollte es nicht glauben: erik hätte im august geboren werden sollen - und er kam im juli. anna hätte auch im august geboren werden sollen und sie kam im september. sie war ein sehr grosses baby, nicht schwer und mit langen schwarzen haaren. ich habe sie lange, lange angeschaut, ohne glauben zu können, dass sie wirklich ein mädchen war. aber sie war es. und ein besonders braves dazu. den trick mit der milch hatten wir ja schon raus - und als ich sie mit nach hause nahm, schlief sie immer. es war ein wunderschöner herbst und ich konnte den kinderwagen in den garten stellen. und da lag sie dann und ich musste sie oft wecken, weil ich angst hatte, sie würde sonst verhungern.

 

erik war stolz auf seine kleine schwester, die er aber vorsichtshalber nur "das baby" nannte. er war auch gar nicht eifersüchtig - ich hatte da so meine bedenken gehabt, aber ich achtete von anfang an darauf, dass er nicht zu kurz kam. kurz nach erik's geburt hatte ich wieder angefangen, zu arbeiten - aber ich hatte das grosse glück, das büro "im hause" zu haben und so konnte ich beidem einigermassen gerecht werden. als die arbeit dann immer mehr wurde, arbeitete ich am abend und klar, wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich "wie hast du das bloss alles gemacht?" haus, garten, büro, ein papagei (der ziemlich anspruchsvoll in sachen zuwendung war), ein hund - zwei kleine kinder und, nun ja, auch einen ehemann. man hat aber, das weiss ich heute natürlich, viel mehr kräfte, wenn man jung ist und man kann buchstäblich berge versetzen. ich möchte nicht sagen, dass sich das später nicht rächt - aber damals war es gut so.

 

eigentlich war die kleinkinderzeit der beiden wunderbar (oder vielleicht habe ich das heute auch nur noch so in erinnerung...) und das grösste problem war wohl, dass ich beide immer mitschleppen musste, wo immer ich auch hinging. wenn ich heute sehe, wie anna mit den verschiedenen terminen ihrer drei jongliert, frage ich mich, ob wir nicht doch aliens waren.

 

die beiden haben sich (damals, heute ist das leider nicht mehr so) wunderbar verstanden und viel miteinander gespielt. wobei erik natürlich immer auf seine kleine schwester aufpassen musste. damals schien mir das selbstverständlich - aber später sollte ich mich natürlich öfter einmal fragen, ob ich ihn damit nicht überfordert habe. aber wie sollte ich das schon wissen - ich, die ja keine geschwister hatte?

 

die sommer waren damals noch sommer, die winter waren noch winter - und ich dachte "wenn ich später einmal anfange, zu sagen "früher war alles besser", dann werde ich alt - oder sperrt mich ein".

genau damit hatten mich doch meine grosseltern schon genervt - und doch: damals kleine kinder zu haben, war schön. natürlich gab es auch hindernisse. zum beispiel waren die buslinien noch nicht so ausgebaut wie jetzt, man machte halbe tagesreisen, um in die nächste stadt zu kommen (dafür hatte unser auto aber auch eine vierstellige nummer mit einer sieben vorne dran - und heute sind es fünfstellige nummern, allerdings auch mit einer sieben vorne dran). man konnte die haustüren noch offen lassen, ohne dass man angst haben musste, dass ein ungebetener gast erschien und der milchmann kam noch - und sogar der migros-wagen.

 

aber eben: das war damals. heute ist alles anders. das hat auch vorteile: ich schätze es zum beispiel

sehr, wenn joshua mir den computer erklärt, der mich mit der welt verbindet und der es mir nun auch ermöglicht, diese zeilen zu schreiben.

von hand? na ja, sie wissen schon, das rheuma...