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Ich bin dann mal weg

Ein ganz einfacher Satz, locker ausgesprochen und doch oftmals verheerend in der Wirkung.

 

Verzweiflung macht sich breit

Mami wirft sich locker die Jacke über, schnappt sich die Autoschlüssel und will das Haus verlassen. Sie hat aber die Rechnung ohne Sohnemännchen gemacht. Dieser wirft sich nämlich zeitgleich scheinbar fiebrig und definitiv weinend auf den Boden und schreit verzweifelt nach seiner Mami. Weder Vater noch Brüder können den kleinen Wurm beruhigen, das Elend ist riesig. Mit einem raschen Blick auf die Uhr legt Mami nun die Jacke wieder ab und setzt sich zu dem Kleinen auf den Boden. Tröstend umfangen ihre Arme ihn und sie singt leise beruhigende Worte für ihn. Endlich, nach gefühlten Stunden, kann sie ihn so weit beruhigen, dass sie ihn fragen kann, was denn los ist. „Ich weiss es nicht“, die kleinlaute Antwort. Mami mag ja fies sein, aber diese Antwort in Kombination mit der Beobachtung aller körperlichen Symptome ihres Sohnes lassen darauf schliessen, dass der Kleine einfach mal wieder sein Köpfchen durchsetzen will. Weil Mami sich aber schon länger endlich mal wieder auf einen Kinoabend gefreut hat und die Zeit nun langsam knapp wird, beschliesst sie, brutal aufzustehen und nun doch zu gehen. Was wiederum Söhnchen dazu bringt, erneut loszubrüllen und Zeter und Mordio zu schreien. Weshalb Mami wohl einfach weg müsse? Es gäbe doch wirklich keinen guten Grund? Und sie könnte ja auch einen Film im Fernsehen schauen? Wo sich dann Söhnchen sogar ganz eng an sie schmiegen würde…? Tja, die Verlockung ist gross, aber Mami macht heute voll einen auf egoistisch und verlässt das Haus, das erfüllt ist von lautem Weinen und ratlos dastehenden männlichen Wesen (Vater und Brüder)…

  • Liebe Mutter, Du hast gefälligst für deine Kinder da zu sein, wenn sie dich brauchen. Selbst, wenn sie keinen Grund dafür haben.

 

Wer soll denn dann helfen?

Die Hausaufgaben scheinen schwer zu sein, der Kopf raucht schon beinahe. Moment! Hat Mutter eben nicht irgendetwas gerufen? Sohn stellt zuerst mal die Musik ein wenig leiser, sonst kann er ja nichts hören. Hausaufgaben machen mit Musik geht ja schon, aber dann auch noch mitbekommen, was sonst so im Haus abgeht? Tatsächlich, sie hat eben nach den Schlüsseln gegriffen und nach oben gerufen, ob sie vom Einkauf noch etwas mitbringen soll. Klar, etwas Süsses wäre toll. Und vielleicht noch einen Energy drink, den Kick hat er nötig. Wie ein Pfeil schiesst nun aber plötzlich der richtige Gedanke in seinen Kopf: wenn Mutter jetzt weggeht, wer soll ihm denn dann helfen? Denn Hilfe braucht er JETZT, weil er später ja dann noch ins Training will. Und davor muss Mutter ja noch seine Sportsachen suchen, denn er weiss nicht mehr so genau, wo er diese gelassen hat. Also wirklich! Gerade jetzt kann sie doch nicht einfach gehen…man könnte ja auch meinen, eine Mutter habe ihr Zeitmanagement besser im Griff und wolle nicht ausgerechnet dann einkaufen gehen, wenn er sie braucht!

  • Liebe Mutter, Du kannst das Haus nicht einfach dann verlassen, wenn deine Kinder dich brauchen. Weil sie nachher keine Zeit mehr für dich haben.

 

Tempo,tempo…

Duschen wäre schön…. In Ruhe duschen, wohlgemerkt!
Nicht eine von den Duschen, unter die frau sich stellt, um nach 3 Sekunden bereits gestört zu werden. Mami, wo ist…? Mami, der xyz hat….. Mami, wann kann ich….? Mami, darf ich….? Mami, wie lange hast du denn noch? …..

Muss ich hier wirklich noch mehr schreiben? Eben….

  • Liebe Mutter, deine Kinder brauchen dich jetzt. Ja, jetzt!

 

 

Und wer ist jetzt weg?

Das lachende und das weinende Auge. Das lachende blickt in Richtung Ehemann, der aber irgendwie auch einen ziemlich angeschlagenen Eindruck macht. Das weinende schaut dem Mobiliar nach, das gerade in den Kombi gepackt wird. Da geht er hin, der eigene Hausrat. Mein kleiner Fernseher, die Musikanlage. Töpfe und Geschirr. Meine Lieblingsdecke. Bücher und Teppiche, Kissen und Bettzeug. Handtücher, die Uhr aus dem Entrée, der grosse Spiegel, der bequeme Sessel. Mit raschen Griffen sammelt unser Sohn ein, was er brauchen kann in seiner neuen kleinen Wohnung. Mit federndem Schritt läuft er an uns vorbei, um noch mehr zu holen. Wo ist bloss die Zeit geblieben? Gerade noch rief er dauernd nach mir, stets musste ich verfügbar sein. Und jetzt, jetzt packt er meine Siebensachen und zieht aus…

  • Liebe Mutter, klage nicht. Du hast ihn dazu erzogen, selbständig zu sein, das hast du nun davon!

 

 

Nachdenklich, Ihre

 

Anna Schreiber