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Jubel, Trubel und Verzweiflung

Haben Sie auch schon einmal Ihr Kind verloren? Verloren nicht im Sinne von kurzfristig nicht wissen, wo es gerade was anstellt, sondern im wahrsten Sinn des Wortes: verloren wie „weg“.

 

Gerade noch war es da, hat an Ihrer Hand gerissen und Sie mit dem üblichen Wortschwall eingedeckt. Multitasking-gewöhnt wie Sie sind, haben Sie sich gleichzeitig umgedreht und jemand anderem zugehört. Die Hand kurz weggezogen, um etwas zu befühlen und schon war da ein komisches Gefühl. Irgendwas hat einfach gefehlt…

Minuten vergingen bis Sie wussten, was es war: Ihre Hand war frei und die Ruhe um Sie herum schon beinahe ein wenig gespenstisch. Noch ein paar Bruchsekunden, bis Sie wussten, was es war: Ihr Kind war weg!

 

Diese Situation habe ich bereits mehrfach beobachtet an meinem Arbeitsort, einer Familienmesse, die jedes Jahr in der Schweiz stattfindet. Dort ist so viel los, vor allem auch für die Kinder, dass diese ab und zu mal verloren gehen können. Interessant sind dann die verschiedenen Müttertypen, dieser kleinen Vagabunden:

 

Da gibt es die furchtlose, die ihr Kind sogar bewusst alleine losschickt. Ihr Vertrauen in Gott und die Welt ist riesig und sie geht davon aus, dass ihr 3-jähriges Kind schon irgendwie wieder zu ihr zurück findet. Interessanterweise ist dem auch so, wie ich bereits mehrfach feststellen konnte. Diese Kinder werden wohl so erzogen, dass sie eine enorme Sicherheit an den Tag legen und im Prinzip Bumerang immer wieder heim finden.

 

Oder aber die aufgeschreckte, die wie ein wildes Huhn herumflattert und deren Verzweiflung sekündlich wächst. Sie rast hin und her, erzählt etwas von „ich kann nichts dafür“ (als ob ihr das jemand vorwerfen würde!) und sucht immer wieder an den gleichen Orten. Um dann irgendwann festzustellen, dass ihr Kind seelenruhig genau dort steht, wo sie es hingeschickt hatte. Leider hat ihr Multitasking kurzfristig nicht funktioniert und deshalb wusste sie nicht mehr, dass sie es dorthin geschickt hatte.

 

Und dann haben wir auch noch die Vorwurfsvolle, die zuerst einmal alle Helfer zusammenstaucht, weil diese ihr Kind nicht gesehen haben. Dann ruft sie ihren Mann an, um ihm mitzuteilen, dass ihr Kind weg sei und das gar nicht erst passiert wäre, wenn er mitgekommen wäre statt im Büro herumzusitzen. Und zu guter letzt, wenn das Kind dann wieder aufgetaucht ist, wird dieses noch in die Mangel genommen, weil es weg war.

 

So verschieden diese Mütter auch sind, eines ist ihnen allen trotzdem gemeinsam: die Sorge um ihr Kind. Sei es durch Erziehung zur Selbständigkeit, durch eine unkoordinierte aber nicht minder von Herzen kommende Suche oder aber auch das Abreagieren des eigenen Frustes an anderen.

 

Ach ja, einen weiteren Muttertypus gibt es auch noch: denjenigen der Mutter, die ihr Kind als vermisst meldet. Sie kann zwar den Namen des Kindes nennen, hat aber eigentlich keine Ahnung, was für Kleidung es heute trägt. Oder wann und wo sie es zum letzten Mal gesehen hat. Doch, doch, an die Messe hat sie es noch mitgenommen. Und sie glaubt, dass es eben noch beim Stand der Feuerwehr und Polizei war – aber jetzt ist es weg. Die Suche verläuft erfolglos.

Die Halle wird geschlossen, die Besucher aufgerufen, ebenfalls nach dem Kind Ausschau zu halten (nicht ganz einfach mit der Personenbeschreibung: ca. 120 cm gross, braunes Haar, blaue Augen, Timmy genannt….). Weder Maus noch Kind kommen hier heraus, Klein-Timmy muss also doch irgendwo sein.

Mittlerweile ist das gesamte Messeteam in Aufruhr, in allen Nebenräumen wird gesucht. Bis dann irgendwann nach gefühlten Wochen endlich der Polizist in sein ausgestelltes Auto schaut und dort, auf der Rückbank zusammengerollt, Klein-Timmy friedlich schlummert. Tja, wo könnte man wohl sicherer sein?

 

Ja, an einer solchen Messe ist immer ganz schön was los. Jubel, Trubel, Heiterkeit – und manchmal auch kurzfristig ein wenig Verzweiflung. Zu guter letzt finden sich aber stets alle wieder und uns wird wieder einmal bewusst, wie lieb wir unsere kleinen Nervensägen doch haben, oder?

 

PS – Wissen Sie, was für Kleidung Ihr kleiner Liebling JETZT gerade trägt?