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Oh Du fröhliche

…Weihnachtszeit?

Was in aller Welt soll denn genau an dieser Zeit „fröhlich“ sein?

 

Die Mutter, die inmitten eines Berges Guetzliteig überhitzt und abgekämpft in der Küche steht? Definitiv nicht fröhlich.

 

Der Vater, der nach der Arbeit nochmals in die Stadt in den Spielzeugladen muss um herauszufinden, ob das Spielzeug nun doch noch rechtzeitig wieder erhältlich ist? Während er vergeblich einen Parkplatz sucht und in irgendwelchen Kolonnen ausharren muss? Auch nicht wirklich fröhlich.

 

Die Kinder, die wissen, dass sie nun irgendwie ein Geschenk für die anderen basteln müssen, weil sie sonst in Gefahr laufen, selber keines zu bekommen. Deren Finger klebrig und farbig sind und die deshalb öfters als üblich baden müssen? Keine Spur von fröhlich!

 

Der Hund, der nicht mehr einfach in den Garten raus kann weil vor der Ausgangstüre nun die Dekoration für den Baum vorbereitet ist und der Baum dann dort im Weg stehen wird. Der nun verzweifelt an der Haustüre kratzen muss, weil man ihn dauernd vergisst in der gerade herrschenden Hektik? Fröhlich sieht anders aus.

 

Oder aber: Maria und Josef, die keine Bleibe finden während sie bereits in den Wehen liegen muss und keine Chance auf irgendwelche schmerzhemmenden Medikamente hat? Die von irgendwelchen dahergelaufenen Hirten und Königen begutachtet werden obwohl sie vielleicht diesen intimen Moment gerne für sich alleine hätten? Auch hier: keine Fröhlichkeit.

 

Wer in aller Welt hat also das Gerücht von der „fröhlichen“ Weihnacht in die Welt gesetzt?

 

Ich habe nachgelesen und festgestellt, dass der Erfinder dieses Liedes es geschrieben hat, nachdem 4 seiner 7 Kinder an Typhus gestorben sind. In dieser ursprünglichen Form ging es darum, die Heilstatsachen Ostern, Pfingsten und Weihnachten zu preisen.

Später aber wurde der Text des Liedes so umgeschrieben, dass er nur noch auf Weihnachten abzielte und auch nicht mehr wirklich viel mit Heilung zu tun hatte. Aus der Not heraus ward also ein Lied geboren, dass diese nicht noch tiefer machte, sondern zur Fröhlichkeit führte.

 

Und genau so müsste ich es wohl heute auch betrachten, wenn mein Mann abgekämpft nach Hause kommt und mich inmitten von klebrigem teig und jammernden Kindern sowie wimmerndem Hund vorfindet: als eine Möglichkeit, das Beste daraus zu machen.  Und als den Vorboten von der grossen Fröhlichkeit, die dann nach der Bescherung und dem guten Weihnachtsessen aufkommen wird. Dann, wenn wir alle wieder loslassen können und der Stress abgebaut werden kann.

 

Vielleicht müsste es dann also einfach nicht „du fröhliche Weihnachtszeit“ heissen, sondern eher „du  fröhliche Nach-Weihnachtszeit?“ .

 

Mit diesen grüblerischen Gedanken verschwinde ich wieder in die Küche, vor den Backofen –

 

Anna