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Teenager

ist es wirklich möglich? seit ein paar tagen bin ich grossmutter eines "teenagers". dabei war doch anna gerade erst... oder nein, ICH war gerade noch ein teenager!

 

es ist doch noch gar nicht so lange her, und ich erinnere mich daran, als ob es gestern erst gewesen wäre. die jupes, die wir mädchen trugen, respektive tragen MUSSTEN, weil man sonst "einfach nicht dazugehörte", waren weit, entweder rosa-kariert oder schwarzgrundig mit postkarten oder wein-etiketten bedruckt, und darunter wippten die pettycoats, je mehr, und umso gestärkter, desto besser. wie haben wir die eigentlich gehandhabt – bei der türen-breite, die sie manchmal einnahmen?

 

und jeans, ja, die kamen ja gerade erst aus amerika nach europa. nicht, dass es die nicht schon viel eher gegeben hätte, aber die mode hatte sie damals gerade als "total in" entdeckt (wie dann kurz darauf den juliette-greco-look) und wir wetteiferten, wer wohl die engsten hatte. damals war noch kein elast eingewoben: wenn sie eng waren, waren sie eng. und sie konnten gar nicht eng genug sein – man musste sie anziehen und damit in der badewanne sitzen und nachher warten, bis sie trocken waren. zum anziehen musste man sich sowieso aufs bett legen. und alle trugen die gleiche uniform und fühlten sich so "abgehoben" gegenüber den "normalos", sprich eltern, die dann auch entsprechend das gesicht verzogen.

 

und nicht nur darüber – vor allen dingen die sogenannte "neger-musik" war unseren erziehungsberechtigten ein totaler graus, und man musste sie ja so laut stellen, dass man sie im garten hörte, während sie drinnen in der "musiktruhe" lief. wo mutti doch so gerne "mama" von heintje hörte... NEGERMUSIK, ich bitte sie, - so sprachen sie in totaler unkenntnis über "unseren elvis"!

 

während wir die wochenenden zu sogenannten "keller-partys" nutzten, die ganz fortschrittliche eltern ihren kindern erlaubten (mit limonade und cola "schnittchen" und jede halbe stunde wurde kontrolliert, ob das gedimmte licht nicht zu dummen gedanken verführte)  – meine gehörten leider nicht dazu! dort wurde dann zu besagter negermusik getanzt und geknutscht, viel anderes hätten wir uns gar nicht getraut, lag doch die dauernde drohung "komm mir ja nicht mit einem kind heim" über uns. und das, obwohl wir gar nicht so genau wussten, wie wir das hätten anstellen sollen, denn die mühe der aufklärung haben sich unsere altvorderen (oder zumindest der grösste teil davon) gespart und wenn wir nicht "bravo" und dr. sommer gehabt hätten, hätten wir vielleicht noch nicht einmal gewusst, dass es zweierlei modelle mensch gab. na ja, irgendwann hätten wir es dann schon herausgefunden...

 

wer erinnert sich im übrigen noch daran, dass wir sowieso nur langsam "teenies" wurden, weil das wort "teenager" eigentlich verpönt war? wir waren "backfische" (und bei uns gab es noch keine "unter-abteilungen, wie später bei anna, die in die gruppe "popper" geriet – ein wort, das heute nun schon wieder eine andere bedeutung hat... ach ja!)

 

aber vielleicht lag das auch daran, dass so kurz nach dem krieg amerikanismen in der deutschen sprache noch nicht so gefragt waren wie heute. die heutigen kinder haben diese in unsere sprache schon als selbstverständlich einbezogen und merken noch nicht einmal,  dass da irgendetwas nicht aus dem duden stammt. sofern sie überhaupt wissen, was ein duden ist.

 

ist es nicht seltsam, oder vielleicht doch die gnade des zunehmenden alters, dass ich mich plötzlich mehr an meine eigene als an annas teenager-zeit erinnere? vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich bei meiner persönlich anwesend war – von anna habe ich ja nur mitbekommen, was zu hause so ablief. und da war sie eine teenager-tochter par excellence. mit den üblichen kleinen stolperfallen, im grunde ist sie so geblieben, wie sie sich schon als baby präsentiert hatte: total pflegeleicht. erfreulicherweise!

 

aber sie war, bevor sie schon sehr früh philip, ihren heutigen mann, kennenlernte, auch nicht unbedingt das "klassische" mädchen. mit puppen hat sie nie gespielt und röcke kamen nicht in frage (leider, das hätte ich doch sooo gerne gehabt!). sie war viel mit ihrem bruder und dessen freunden unterwegs und ich fragte mich manches mal im stillen, ob sie nicht eher ein junge hätte werden sollen (so, wie mir eine wahrsagerin einmal zwei söhne vorausgesagt hatte).

 

ich versuchte immer wieder einmal, sie als mädchen "auf den rechten weg" zu bringen – und es ging mir gewaltig auf den keks, dass sie immer nur sneakers trug, die damals natürlich noch turnschuhe hiessen. sandalen hasste sie und ich hätte so gerne gehabt, dass sie sich wenigstens im sommer einmal dafür entschieden hätte.

 

und einmal hat sie sich wirklich überreden lassen: als sie mit mir in einem kleiderladen war, sah sie ein paar dunkelrote sandalen, sündhaft teuer und sie sagte mir (wohl hoffend, dass ich soviel geld für ein paar sandalen nicht ausgeben würde) "daaas sind sandalen, die mir gefallen, - wenn du mir sowas mal kaufen würdest, ja, das würde ich auch anziehen..." ich musste nicht lange überlegen und sagte "o.k. – aber du ziehst sie an?" "klar!"

 

kurz darauf wollten wir in die ferien fahren. "anna", fragte ich "wo sind die sandalen? ich will sie einpacken." "die sandalen? ääääh – ja, wo sind sie denn? ich suche..." auf den fund wartete ich nach den ferien auch noch.

 

erfreulicherweise hat sich das problem dann geklärt, als wir kurz darauf umzogen. zwischen matratze und bettgestell lagen ein paar wunderschöne, nagelneue und total zerdrückte,  sündhaft teure sandalen – und ich weiss bis heute nicht, was ich dazu sagen soll. jedenfalls habe ich nie wieder sandalen gekauft.

 

ähnlich ging es mir dann noch einmal mit einem paar "steg-hosen", die MAN unbedingt zum passenden popper-blouson haben musste. die steghosen habe ich aus dem ausland mitgebracht, nach telefonischer anfrage "willst du sie?", die vehement mit "ja!!!" beantwortet wurde... und dann habe ich mich darein geschickt, dass ich eine jeans-shirt-turnschuh-tochter hatte und eigentlich ist das fast bis heute so gelieben. aber in dieser fasung ist sie natürlich eine ideale mutter für drei söhne...

 

annas teenager-zeit war schon so anders als meine und nun, in einer zeit, in der eine madonna-tournee in den nachrichten erwähnt wird, den kindern also als wichtig dargestellt wird, nein, da möchte ich selbst eigentlich nicht mehr teenager sein.

 

ich bin jetzt eigentlich auf alles vorbereitet – in einer zeit, in der elfjährige schon "beziehungen" haben und sogar emanuel mir schon von seiner speziellen "freundin" in der spielgruppe erzählt.

 

so langsam geht mir auf, wie es meinen eltern mit mir gegangen sein muss. so viele jahre hat es gebraucht, bis ich begriff, dass jede generation sagt "früher war alles anders" – und das war es ja wirklich auch. vielleicht haben wir heute mehr toleranz gegenüber den jungen, aber viele harte erfahrungen, die unsere eltern noch machen mussten, blieben uns erspart und das hat uns vielleicht weicher und nachsichtiger gemacht.

 

und nun habe ich also einen teenie-enkel. mein gott! mädchen interessieren ihn (im gegensatz zu seinem jüngeren bruder) noch nicht so – oder er gibt es vielleicht auch nur nicht zu. und meine bedenken, man könne ja nun nicht mehr miteinander schmusen, lassen sich vielleicht noch durch "schmusen nicht gerade vor den augen der öffentlichkeit" hinwegwischen – aber doch wird mir plötzlich bewusst, dass joshua nun langsam erwachsen wird. dreizehn jahre, die unheimlich schnell herumgegangen sind, und er sagt selbst "weißt du, was lustig ist, wenn man teenie wird? alle sagen, jöööh, jetzt warst du doch grade erst noch so klein"... aber so ist es, und auch ich würde das gerne sagen, und dann verschiebt man den gedanken daran ganz schnell, weil er einen ja auch daran erinnert, dass man innert ganz kurzer zeitdreizehn jahre älter wurde.

 

erfreulicherweise ist emanuel noch da, der jüngste, der mit seinen dreieinhalb jahren schon so genau weiss, was er will. logisch, er profitiert ja auch von den erfahrungen seiner grossen brüder und er ist ein kind, das den ganzen tag redet. ich meine, er sei von den dreien der, der uns am meisten zutextet.

 

wundern sie sich also nicht, wenn sie in absehbarer zeit eine gast-kolumne von ihm finden...!