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Rabenmutter


Ja, ich gestehe es: ich gehöre zu den Müttern, die in Teilzeit arbeiten. Bestimmt finden Sie das nicht gut, ich ja auch nicht (zumindest heute).


Herd oder Computer?

Irgendwann war bei mir der Moment da, in dem ich mich fragte, wo ich denn nun hingehöre. Zuhause an den Herd, wo meine Fähigkeiten eher schlecht als recht waren. Putzenderweise um die Kinder herum, die mich als ihre persönliche Entertainerin sahen? Oder doch lieber ins Büro, wo ich mit flinken Fingern der Tastatur tolle Strategien entlockte? Und wenn hier mal etwas schief ging, konnte ich das im Gegensatz zur Aktion am Herd mit wenigen Klicks ungeschehen machen.


Konstantes Wiederholen von simplen Regeln oder anregende Diskussionen unter Fachleuten? Angenörgelt werden versus Jahres-End-Bonus? In der Endlos-Schlaufe hängen oder in die Zielgerade steuern? Ganz so einfach war das aber dann eben doch nicht, denn…


Kinder brauchen ihre Mutter

Niemand zweifelt diese Tatsache an. Und hier geht es nicht bloss darum, physische Bedürfnisse zu befriedigen. Vielmehr gilt es, die Kleinen zu erziehen, zu bestätigen, zu unterstützen, zu hegen und zu pflegen. Zu viel Liebe kann man da gar nicht geben. Und zurück kommt ja auch ganz viel, keine Frage. Nicht, dass man wirklich immer alles will, was da so zurück kommt, aber das ist ein anderes Thema.


Die Tatsache, dass Kinder auch ihren Vater brauchen, wird meist schneller vom Tisch gewischt als aufs Tapet gebracht. Logisch, und die Kinder sollen ihren Papi ja auch haben – nach Feierabend und am Wochenende. Vorausgesetzt, Papi ist dann nicht zu erschöpft, denn Papi hat ja einen anstrengenden Managerjob, der ihn fordert. Selbst wenn Papi eine schlechtere Ausbildung als Mami hat, seine Bezahlung ist dann eben doch besser und damit auch rasch geklärt, wer das Geld nach Hause bringt. Und besser bezahlt wird Papi, weil er ja einen anstrengenden Job ausüben kann, dem Stress bei der Arbeit gewachsen ist und es schafft, alles unter einen Hut zu bringen. Während Mami genetisch bedingt emotionaler ist und schneller zusammenbricht.


Wie bitte?!

Wie viele Mütter kennen Sie, die zusammenbrechen, wenn sie gleichzeitig an 3 Orten sein sollten, 4 Dinge tun müssten und 5 Kinder dabei «helfen» wollen? Und wie viele Mütter kennen Sie, die nicht innert Sekunden eine Situation erfassen und die Lage so schnell analysieren, dass die Lösung das Problem beinahe schon überholt? Und wie viele Mütter, die klagen, dass sie bald ein Burn-out haben, wenn sie nicht ein Jahr Auszeit nehmen können?


Und wie viele Väter kennen sie, die nicht leicht überfordert wirken, wenn sie mal einen ganzen Samstagnachmittag lang auf die eigenen Kinder aufpassen müssen? Weil diese ja Unterhaltung wünschen und die Ansprüche da nicht mehr ganz so gering sind. Die Tasse Kaffee, die man(n) im Büro in Ruhe geniessen kann, bleibt hier bloss ein unerfüllter Traum. Wie viele Väter gibt es, die ohne mit der Wimper zu zucken eine blutige Wunder verarzten während sie aus dem Augenwinkel beobachten wie sich das Baby und der Hund den Nuggi teilen?


Und trotzdem…

Alle diese Überlegungen haben wir alle schon tausend Mal angestellt. Und wir sind uns eigentlich alle einig: Das Kind braucht einfach die richtige Betreuung, egal, wer diese leisten kann. Und wenn das aus ökonomischen Gründen ich bin, ok.

Aber wenn ich dann den einen Tag in der Woche, an dem ich ins Büro gehe, in Angriff nehme, dann überfällt es mich wieder: das schlechte Gewissen! Der Kleine spielt auf mir sehr gekonnt: mit Tränen in den Augen fragt er, ob ich wieder komme (als ob ich je nicht wieder gekommen wäre?). Er weint und schreit, jammert und wimmert. Und ich werde überrollt von all den mir nachgesagten Emotionen und spüre den Stress und die Überforderung meinerseits. Währenddessen schnappt sich Papi seine Jacke und zieht munter pfeifend von dannen in seinen stressigen Alltag, in dem er von garantiert keinem Kind gestört werden wird.


Und ich? Ich tröste und umarme, verspreche und erlaube, mache Ausnahmen und stelle Verbote ein. Dann gehe ich von Weinen begleitet zum Haus hinaus, schalte sofort das Handy ein, um stets erreichbar zu sein. Der Weg zum Büro ist quälend lang, der Start in den Arbeitstag erfolgt unkonzentriert und lustlos. Wir Frauen sind der harten Arbeit einfach irgendwie nicht gewachsen, oder?


Sich selbst stets fragend,

Anna Schreiber


PS. Ach ja, das Kind, das da gerade noch so verzweifelt war, hat sich übrigens nach dem Schliessen der Türe umgedreht und vergnügt beim Babysitter nachgefragt, was es denn nun mit ihm spielen könne…